Mittwoch, 31. August 2011MEIN ERSTER BLOG
Veröffentlicht am 25. Mai 2009 um 10:58 Uhr unter Blog thing
Trackback URL: http://www.jazzthing.de/blogthing/mein-erster-blog/trackback/ MEIN ERSTER BLOG Blog? Bis vor ein paar Jahren hätte ich das Wort eher mit Blockschokolade, Blockbuster, oder Blocksberg in Verbindung gebracht! Inzwischen weiß ich, dass es Fachblogs, Funblogs, Reiseblogs, Litblogs, Edublogs und Blog thing gibt… und heute sitze ich hier und schreibe meinen ersten Blog! Mmh, wo fange ich an… vielleicht mit Block A der Eppelheimer Rhein-Neckar-Halle, wo ich gestern Abend meinen Platz einnahm, um Helge Schneider & „Band“ zu hören!? Es war ein äußerst lustiger, kurzweiliger Abend in einer Turnhalle mit DDR-Flair (das Ganze sollte ursprünglich in der Heidelberger Stadthalle stattfinden, die aber nicht alle Fans hätte beherbergen können) und einem bestens aufgelegten H. Schneider. Er begann mit „Ach wie schön, jetzt kommt der Reim, ich fahr‘ so gern nach Eppelheim“, erklärte, „Eppelheim“ käme von „Errrr-lebnis“ („abgeleitet von einem Dialekt aus dem 14. Jahrhundert“ – nach der halbstündigen Parkplatzsuche im angrenzenden Wohngebiet war klar, was er meinte!), mokierte sich über die Bandenwerbung der Turnhalle, auf der u.a. „Morsch – Installationen“ zu lesen war, und ließ den langhaarigen, langbärtigen, dünnen Herrn Gleithmann in langen Unterhosen, orangefarbenen Socken und Ballettschläppchen den Meisenmann, die Katze und andere Liedtexte pantomimisch darstellen. Der Bassist, ein (im wahrsten Sinne des Wortes) alter Freund und Hobbymusiker in Rente, wurde extra für die Tour aus Australien eingeflogen und Bodo, ein Mann in Zirkusdirektorkostüm, servierte ihm von Zeit zu Zeit Tee auf einem Tablett (welcher laut Helge nach „Nussschalen und Nebenrüben“ schmeckte und also eine Teemischung darstellte) oder trommelte (wie auch S. Gleithmann) planlos auf einem Bongosortiment herum! Wahnsinn, dachte ich… dieser Helge Schneider ist nicht nur originell, witzig, kreativ und musikalisch, er hat auch eine soziale Ader! Natürlich hat er auch Profimusiker um sich versammelt, und wahrscheinlich wäre es lange nicht so komisch, wenn wirklich alle Bandmitglieder ihr Instrument beherschten… aber dass er seinen alten Kumpels die Treue hält und somit auch für ihr Einkommen sorgt, ist toll! Ein leuchtendes Vorbild in diesen Krisenzeiten: …die Schneider-Rente! Netterweise hatte mich Pete York, der umjubelte Drummer der „Band“, zu diesem Konzert eingeladen. Er und ich (also: er und ich und 58 weitere Musiker!) hatten uns kurz zuvor auf einer Jazzkreuzfahrt getroffen! In Spanien bzw. auf dem Mittelmeer! Bei wunderschönem Wetter hatten wir jeden Tag die Möglichkeit, eine andere Stadt oder Insel zu entdecken: Tarragona (zu müde zum Entdecken, weil seit Tagen kaum geschlafen), Palma de Mallorca (Mittagessen mit zwei einheimischen Musikern, mit denen ich im Februar gespielt hatte), Ibiza (lustige Tour durch die Stadt mit den Kollegen), Formentera (ein entspannter Tag am Strand! …Liedzitat von Helge S.: „ich war weiß, der Strand auch!“), Mahon (wunderschöne Altstadt, witzige Tafelrunde) und Barcelona (mit der Metro zu Gaudis Sagrada Familia (amerikanische Touristin zu ihrem Mann: „Waas, die verlangen Eintritt für eine Kirche, die nicht einmal fertig ist?“), Palau Güell, Las Ramblas mit den unglaublichsten Schaustellern und Trickbetrügern, Mittagessen auf dem Placa Reial – während Männer mit entblößtem Oberkörper und wildem Geschrei ungefragt Kunststücke vorführen, Ausstellung von diversen Formel-1-Rennwagen vor dem „Großen Preis von Spanien“ etc. etc.). Dann aufs Schiff, duschen, umziehen, essen und spielen! Jeden Tag auf ingesamt drei Bühnen, mit festen Bands, aber auch neu zusammengestellten Besetzungen, Sessions bis spät in die Nacht mit „Dschäzz uff hägschtem Nivou“ (Wagner-Zitat!), wunderbare Kollegen, Witze , Anekdoten, Pfefferminztee und andere Getränke… es hätte noch ewig so weitergehen können! Jaja, mit der Musik kommt man schon rum: u.a. von Barcelona bis nach Eppelheim!!! Bis bald, Eure Anke Mittwoch, 31. August 2011REISEN MIT HINDERNISSENVeröffentlicht am 14. Sep 2009 um 12:12 Uhr unter Blog thing Trackback URL: http://www.jazzthing.de/blogthing/reisen-mit-hindernissen/trackback/ REISEN MIT HINDERNISSEN „Halten Sie den Zug auf!“, schreie ich einem Mann zu und renne bepackt und außer Atem die letzten Stufen zum Bahnsteig hinauf. „Achtung, auf Gleis 9 bitte einsteigen, Türen schließen automatisch, Vorsicht bei der Abfahrt!“, plärrt es durch die Lautsprecher und schon setzt sich die Lok in Bewegung. Uff, gerade noch geschafft! Jetzt nur noch durch vier Wagen der 1. Klasse, durch den Speisewagen… und schon kann die Suche nach einem freien Platz in der überfüllten 2. Klasse beginnen. Sobald das Gepäck verstaut ist und ich erschöpft und verschwitzt in meinen Sitz sinke, muss ich an Situationen denken, in denen ich mich ähnlich gefühlt habe. Da man als Musiker viel unterwegs ist, gibt es natürlich unzählige Reiseerlebnisse, die im nachhinein vielleicht ganz amüsant klingen mögen… aber meist nur im nachhinein! Als ich das erste Mal mit einer Band im Ausland engagiert wurde, war der Hinflug perfekt. Drei Wochen Istanbul! Wir spielten fast jeden Tag, hatten wunderbare Erlebnisse mit enthusiastischen türkischen Jazzfans, die uns z.B. zum Segelauflug auf dem Bosporus oder zu köstlichem Essen einluden. Unser Schlagzeuger wurde in die Istanbul-Becken-Fabrik begleitet, es wurden Tickets (zum eigentlich seit Wochen ausverkauften) Galatasaray-Spiel organisiert. Wir wurden auf dem Basar beim Kleider- und Schmuckkauf beraten und jeden Tag gab es etwas Neues zu entdecken. So gingen die drei Wochen viel zu schnell vorbei, auch wenn wir bis dahin noch keine Gage erhalten hatten. Am letzten Abend dann sprangen wir nach der Zugabe direkt ins Taxi zum Flughafen. Schnell wurde uns doch noch die Gage aus einem Geldautomaten gezogen, kurzer, tränenreicher Abschied und Endspurt zum Schalter. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass unsere Flugverbindung aufgrund von Streiks einfach gestrichen worden war. Also warten! Viel später wurden alle Pasagiere in Busse verfrachtet und zurück zu einem Hotel in der Innenstadt gebracht. Warten! Erneut einchecken und auf das Gepäck warten. Kaum im Zimmer, wieder in den Bus und zum Flughafen. Warten! Wieder neu einchecken und feststellen, dass sich die Situation noch nicht geändert hatte. So verbrachten wir den Rest der Nacht und den kommenden Tag auf dem Flughafen und versuchten, umringt von Scharen schreiender Kindern, entnervten Eltern und lamentierenden Großeltern, auf dem Fußboden zu dösen. Mit knapp zwei Tagen Verspätung und einem Vorgeschmack auf zukünftige Touren kamen wir zu Hause an. Was Flüge angeht, habe ich inwischen Horrorstorys erlebt: Startverzögerung wegen sich im Flugzeug prügelnder, betrunkener Hooligans, ein vergessener Reisepass (die ganze Band kann nicht fliegen), verschlafener Flughafentransfer und somit verpasster Flug, Bandmitglieder mit einem Übergepäck für €400… und dies ist nur ein kleiner Auszug. Weiter habe ich erlebt, wie Züge einfach stehen bleiben oder von einem stehen gebliebenen Zug an der Weiterfahrt gehindert werden oder auch, dass sich keine der Zugtüren mehr öffnen ließ. Eine der häufigsten Erfahrungen: Stau! Aber auch explodierende Kühler im Stau, unerwartet geschlossene Tunnel und Pässe sowie auch Passüberquerungen durch Eis und Schnee mit Sommerreifen und überladenem Auto (in dunkelster Nacht, links der Berg und rechts der Abgrund). Lebensgefährliche Überquerung der Adria bei Windstärke 8: Gestandene Männer, die beim Ablegen der Fähre noch vergnügt mit ihren Familien gegessen und getrunken haben, hängen plötzlich über der Reling oder krümmen sich auf dem Boden. Mit jeder Riesenwelle stürzt das Boot kopfvor in die gähnenden Tiefe und zieht alles an Bord mit nach unten. In regelmäßigen Abständen werden die Kennzeichen von demolierten Autos im Schiffsinneren durchgesagt. Und die Überfahrt dauert statt vier – ganze acht Stunden. Natürlich gibt es da auch noch die eher unspektakulären (aber fatalen) Missverständnisse, was die Spieleorte betrifft. Zum Beispiel: Saxophonist wartet am Bahnhof Homburg/Saar, die Band dagegen vergeblich in Bad Homburg/Hessen. Welche Auswirkungen diese Zwischenfälle auf den weiteren Tagesverlauf haben, muss ich hier nicht weiter ausführen. Da wundert man sich doch, dass trotz der manchmal recht widrigen Umstände die meisten Konzerte doch stattfinden – und auch noch pünktlich beginnen! Bis bald, Eure Anke Mittwoch, 31. August 2011SEPTEMBER SONG
Veröffentlicht am 12. Jan 2010 um 12:32 Uhr unter Blog thing
Trackback URL: http://www.jazzthing.de/blogthing/september-song/trackback/ SEPTEMBER SONG Habe mir Ingwertee gegen die Erkältung gekocht, sitze am Tisch und schaue auf die verschneiten Weinberge vor meinem Fenster. Das neue Jahr hat gerade begonnen, es ist richtig kalt, ich habe Winterreifen… was will man mehr! Auf dem Balkon liegt ein Andenken aus wärmeren Tagen: eine wunderschöne Maske aus Südafrika. Mit Holzwurmbefall, wie ich nach ein paar Wochen feststellen musste! Die Maske hatten wir im September auf einem hübschen Markt in Kapstadt erstanden und der Händler versprach mir Glück und Gesundheit – was ja auch irgendwie eingetroffen ist, da ich den Holzwurm noch rechtzeitig entdeckte. Der eigentliche Grund der Reise waren Konzerte in Südafrika und Namibia. Für mich, die ich als Kind in Namibia aufgewachsen bin, war es gleichzeitig eine Reise in meine Vergangenheit. Am Tag zuvor hatten wir zwei Konzerte gegeben und viele aufgeschlossene, interessante und multikulturelle Leute kennengelernt. Nach unserem letzten Set kam eine Frau auf mich zu und sprach mich auf Deutsch an. Eher zufällig erwähnte sie, dass sie bis vor ein paar Jahren in Windhoek gelebt hätte. Als sich dann herausstellte, dass es sich um meine Freundin und Nachbarin aus Kindertagen handelte, fielen wir uns in die Arme. Unseren Off-Day in Kapstadt verbrachten wir mit besagtem Maskenkauf (und das sinnigerweise vor allen anderen Aktivitäten), fuhren mit dem Doppeldeckerbus zur Waterfront, vorbei am Rathaus, von dessen Balkon Nelson Mandela seine erste Rede nach der Freilassung gehalten hatte, durch den District Six, einmal ganz um den Tafelberg herum, mit längerem Stopp am wunderbar feinen Sandstrand von Campsbay, Blick auf Robben Island, vorbei am längst noch nicht fertiggestellten Green Point Stadion, hoch zum Tafelberg, Blick zum Lion’s Head und Devil’s Peak und wieder zurück. Am nächsten Morgen, bzw. mitten in der Nacht, zum Flughafen und mit Air Namibia nach Windhoek. Von dort geht es im Leihwagen durch die karge Landschaft der Namib, vorbei an der Spitzkoppe, weiter an die Küste. In Swakopmund angekommen, meint man sich in eine andere Zeit versetzt. Die Namen der Straßen und der teilweise im Kolonialstil gebauten Hotels und Pensionen, die Strandpromenade, alles erinnert eher an ein Nordseebad aus dem letzten Jahrhundert – nur eben mitten in Afrika. Im benachbarten Walvis Bay treffen wir auf Freunde meines Vaters und fahren mit ihnen im Range Rover zu den Dünen. Nach dem Erklimmen der höchsten Düne, „Dune 7″ genannt, hat man einen beeindruckenden Blick auf die endlose Sandwüste. Mit einer Bootsrundfahrt beginnen wir den nächsten Tag, sehen neben einer handzahmen Robbe an Bord ganze Robbenkolonien, Pelikane, Flamingos, ja sogar Delphine. Am Abend: unser Konzert im ausverkauften Theater. Die Begeisterung des Publikums hilft uns über den Zustand der Instrumente hinweg und nach zwei Zugaben werden wir mit Amarula und handgeschnitzten Anhängern verabschiedet. Auch hier erzählen mir Leute Episoden aus meiner Kindheit, an die ich mich selbst nur noch vage erinnern kann. Ein dort sesshaft gewordener niederländischer Pilot spricht mich auf meine teils holländischen Ansagen an, und wir stellen fest, dass dessen Bruder im selben Dorf, ja sogar im selben Haus wohnt, in dem ich während meines Studiums in Hilversum logierte. Kleine Welt! Rückfahrt nach Windhoek und Konzert in der großen Aula meiner ehemaligen Schule. Guter Sound auf der Bühne, nette Menschen und wieder berührende Gespräche. In aller Frühe machen wir uns auf den Weg zum Etosha Nationalpark, unserer letzten Station im Norden des Landes. Wir halten in Okahandja, dem traditionellen Zentrum der Herero. Hier begann der Aufstand, der 1904 zur Schlacht am Waterberg führte. Auf dem Friedhof liegen die großen Hereroführer wie Maharero und Kutako begraben. Dann geht es weiter auf einsamen, endlosen Straßen, selbstverständlich immer auf der linken Fahrbahn! Die Tage in der Etosha vergehen wie im Flug und weitere Erinnerungen werden aufgefrischt. Zebras, Gnus, Oryxe, Springböcke, Giraffen, Elefanten, Strauße, Hyänen, selbst Rhinozerosse und Löwen können wir in freier Wildnis beobachten. Während der sengenden Mittagshitze jeweils kurze Rast in einem der Camps wie Okaukuejo oder Halali. Keiner von uns möchte nach Hause. Eigentlich ist zu wenig Zeit für die vielen unterschiedlichen Eindrücke – aber dankbar machen wir uns auf den Rückweg. Es klopft! Meine Nachbarin bittet mich, doch endlich den Gehweg vom Schnee zu befreien…seufz! Euch allen ein frohes neues Jahr! Anke Mittwoch, 31. August 2011HTTP://WWW………Veröffentlicht am 17. Mai 2010 um 12:54 Uhr unter Blog thing Trackback URL: http://www.jazzthing.de/blogthing/httpwww/trackback/ HTTP://WWW……… Es ist Mai. Auch der Wonnemonat genannt. Es regnet in Strömen und ich habe inzwischen wieder meine Heizung hochgedreht. Die Winterreifen hätte ich vielleicht schon durch Sommerreifen ersetzen können, aber ich bin noch nicht dazu gekommen. Seit Wochen habe ich keine Zeitung gelesen, Nachrichten geschaut oder Radio gehört! Um mich wieder auf den neuesten Stand zu bringen, setze ich mich an meinen Computer und gehe auf Spiegel Online. Aha … was muss ich lesen: „Aufwind für die Jazzbranche“, dieser Artikel interessiert mich natürlich! Doch bevor ich Genaueres in Erfahrung bringen kann, werde ich abgelenkt und klicke auf „KulturSPIEGEL gefällt mir“. Schon finde ich mich auf der Facebook-Seite wieder und erfahre die genaue Anzahl der KulturSPIEGEL-Fans und sehe, dass zehn meiner Facebook-Freunde auch KulturSPIEGEL-Fans sind. Na dann! Mein Augenmerk richtet sich auf das Bild eines „Freundes“, von dem ich noch nicht einmal weiß, welches Instrument er eigentlich spielt. Wie konnte er so einfach mein Freund werden, obwohl ich so gar nichts über ihn weiß? Ich gehe auf sein Profil und finde einen Link zu seiner MySpace-Seite. Bass spielt er also, und zwar richtig gut! Ich bin bereit, auch hier sein Freund zu werden, logge mich mit meinem Password ein und klicke auf „als Freund adden“. Es ist schon erstaunlich: Ohne das Haus zu verlassen, kann man sich an einem regnerischen Nachmittag mit Menschen aus Amerika, Afrika, Asien oder auch aus Aschaffenburg und Amorbach befreunden. Segen und Fluch zugleich! Eigentlich ist eine eigene MySpace-Seite wie eine Visitenkarte, auf der man alle relevanten Dinge angibt und seine Musik als mp3-Files zum Hören anbietet. Es ermöglicht einem, mit echten Freunden, Studienkollegen oder anderen Musikern in Kontakt zu treten bzw. den Kontakt leichter aufrechtzuerhalten und sie über anstehende Konzerte und Aktivitäten zu informieren. Früher hatte man eine Homepage, dann kam MySpace und inzwischen ist man ohne Facebook, Twitter etc. nicht mehr „up-to-date“. Wahrscheinlich verbringt ein Großteil der „User“ mehr Zeit im WorldWideWeb, als sich mit realen Freunden zu treffen, die Verlockungen sind ja auch zu groß. Ich habe mich schon sehr gewundert, als ich die ersten Einladungen zu seltsamen Spielen wie „Farmville“, „Mafia Wars“ oder „Happy Aquarium“ bekam. Man sollte nicht meinen, dass erwachsene, viel beschäftigte Musiker für solche Dinge Interesse und Zeit haben! Ganz abgesehen von den „Smile“-, „Kiss“- und „Show some love“-Anfragen, den Einladungen zu den hirnrissigsten Gruppen oder Veranstaltungen. Es kam auch schon vor, dass ich um finanzielle Unterstüzung oder um andere dubiose Dinge gebeten wurde: Glücklicherweise gibt es dafür den „Defriend-Button“. Aber wenn man von all dem einmal absieht, hat es doch auch seine guten Seiten. Im letzten Jahr habe ich mit einem Facebook-Freund ein sehr inspiriertes Konzert gegeben, habe mehrere interessante Anfragen bekommen und sogar eine Tour gespielt, für die ich sozusagen in letzter Minute als „Sub“ gefragt wurde. Was wollte ich eigentlich? Ach ja, den Artikel im Spiegel lesen! „… Im Hamburger Hafen ist junger und bester Jazz zu hören. Das und der Jazz Echo beweisen: Das Genre hat noch längst nicht ausgespielt.“ Wer behauptet denn, dass es mit dem Jazz vorbei sein sollte? Natürlich wird auch hier die momentane wirtschaftliche Lage beklagt, aber ich habe das Gefühl, dass das Interesse am Jazz nie abgenommen hat. Die Nachfrage bei Jazzworkshops, an Jazzstudiengängen, die Etablierung der Jazzahead! und des German Jazzmeetings sowie der seit diesem Jahr ins Leben gerufene Jazz Echo sprechen dafür. Vielleicht habe ich aber durch diese ganzen Internet-Foren auch einen etwas verzerrten Blick auf die Sache? Mir kommt es so vor, als interessiere sich die Welt für nichts anderes als Jazz und alles was damit zusammenhängt… Liebe Grüße, Anke Mittwoch, 31. August 2011AUTUMN IN NEW YORKVeröffentlicht am 24. Sep 2010 um 09:48 Uhr unter Blog thing Trackback URL: http://www.jazzthing.de/blogthing/autumn-in-new-york/trackback/ AUTUMN IN NEW YORK Nach ewiger Wartezeit werden wir mit lauter, fast aggressiver Stimme am JFK-Airport begrüßt: „Next, please! Hey, Miss, to the left!“ Ich gebe meinen Zettel ab, der durch Kreuze an der richtigen Stelle belegt, dass ich weder kommunistisch, kriminell oder drogenabhängig bin. Mein ESTA- Formular (Electronic System for Travel Authorization, eine brandneue Schikane für schlappe $ 14, die den Tourismus ankurbeln soll) musste ich vor Reiseantritt im Internet beantragen. Nachdem meine Hände und Augen gescannt sind und ich ein paar Fragen beantwortet habe, darf ich endlich wieder warten – diesmal auf meinen Koffer! Ich werde abgeholt und auf geht es mit der Subway Richtung Forest Hills/Queens. Nach der langen Reise erhole ich mich bei einem Spaziergang durch den Flushing Meadow Park. Die US Open haben gerade begonnen und man kann die Aufschläge und den Jubel des Publikums hören. Wie sommerlich warm es ist! Morgen ist Labour Day, ein Feiertag, und viele Leute sind in den Park gekommen um zu grillen, haben Instrumente dabei oder spielen American Football (manche sogar Soccer). Das Wahrzeichen der Weltausstellung 1964, die Weltkugel „Unisphere“, ist rundum von einer Fontäne umgeben. Der damals gebaute NY Pavillion wurde als Drehort für Filme wie „Men in Black“ verwendet. Am nächsten Tag fahren wir mit dem F-Train nach Coney Island! Wie schön, am Meer zu sein, obwohl der Strand ziemlich überfüllt und schmutzig ist. Trotz der Warnschilder stehen die Angler am Steg Schlange, um in dem trüben Wasser zu fischen. Neben dem Riesenrad und vielen anderen Dingen ist „Shoot the Freak“ eine der Attraktionen des nahegelegenen Jahrmarkts. Die Besucher schießen mit Pistolen auf einen echten Menschen, der sich mit einem Schutzschild gegen die einschlagenden Farbpatronen wehrt. Eltern feuern ihre Kinder an und klatschen Beifall – wow! In Deutschland käme ich nie auf die Idee, aber hier möchte ich typisch amerikanische Kost probieren und konsumiere im Laufe der nächsten Wochen Burger, Cola, Ice Tea, Häagen-Dazs, Cranberry Juice, Bagel mit Creamcheese und Blueberry Muffins. Endlich im Village, dem Herzen der Stadt! Ich helfe bei der Valery Ponomarev Big Band aus. Der Großteil der Band besteht heute aus Ersatzmusikern, die wie ich alles vom Blatt lesen müssen. Der Drummer erscheint zwei Minuten vor Konzertbeginn und los geht es mit Arrangements des Bandleaders von Stücken der Jazz Messengers. Eine Herausforderung, ohne Soundcheck und mit diesem Piano – aber ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Danach einen kurzen Abstecher in den Jazzclub Fat Cat, in dem sie die Einrichtung so geändert haben, dass quasi um die Bühne herum Schach, aber auch Billard und Tischtennis gespielt wird! Wie sich das mit einer zart gespielten Ballade vereinbaren lässt, sei dahingestellt! Ein paar Meter weiter geht man die Treppen zu Smalls hinunter. Inzwischen steht hier ein Flügel und man kann die Konzerte sogar live online verfolgen! Diesen Monat spielen u.a. das Ari Hoenig Trio, der Gitarrist Peter Bernstein, Mark Turner oder das Bruce Barth Trio. Dann die Jazz Gallery in der Hudson Street mit Musikern wie Aaron Parks, Joel Frahm mit dem Kevin Hays Quintet, Adam Cruz, Roy Hargrove oder Miguel Zenon. Mike Sterns Stammclub ist die 55 Bar in der Christopher Street. Hier spielt er montags, wenn er in der Stadt ist, an den anderen Tagen sind es zum Beispiel der Saxofonist Donny McCaslin, Sean Smith oder Dave Liebman. Weiterhin kann man unzählige kleine Clubs finden wie etwa das Cornelia Street Café, die Zinc Bar auf der Houston, Garage, Bar Next Door oder Jules im East Village. Die berühmtesten Jazzclubs sind wohl das ziemlich touristische Blue Note und das Village Vanguard, wo diesen Monat u.a. das Renee Rosnes Quartet und Paul Motian/Joe Lovano/Bill Frisell spielen. Sonntags kann man in den Gottesdienst der St. Peter’s Church gehen, wo u.a. Jimmy Heath oder Lew Soloff zu hören sind. In Midtown (aber natürlich nicht mehr auf der ehemals so berühmten 52nd Street) ist das Birdland einen Besuch wert! Hier spielen u.a. Leny Andrade, Nicholas Payton oder Gonzalo Rubalcaba und im Publikum finden sich Jazzlegenden wie z.B, George Coleman. Dann natürlich das Iridium, Dizzy’s Club Coca Cola und das Jazz @ Lincoln Center unter der Leitung von Pulitzer-Preisträger Wynton Marsalis, das Kitano oder das recht neue und etwas abseits gelegene Miles Café. Hier habe ich mit dem Gitarristen Bruce Arnold einen Quartett-Gig, auf einem komplett restaurierten Steinway-Flügel von 1888. Einen Tag verbringe ich im wunderschönen Bronx-Zoo und mache danach einen Abstecher nach Harlem, um dort original Soulfood zu essen. Auf dem Weg dorthin komme ich am weltberühmten Apollo Theater und der Lenox Lounge vorbei, laufe den M. Luther King Drive entlang und passiere den Nat King Cole Walk. Auch noch zu erwähnen ist der Club Smoke, früher Augie’s genannt, in dem früher Musiker wie Larry Goldings und David Berkman regelmäßig für wenig Geld zu hören waren. Heute zahlt man genauso viel wie z.B. im Vanguard, aber man kann dort Jazzgrößen wie Mulgrew Miller aus nächster Nähe erleben. Neben den ganzen Clubs möchte ich auf alle Fälle auch noch ins Metropolitan Museum und ins Museum of Modern Art (MoMa) – kombiniert mit einem Spaziergang durch NY’s grüne Lunge, den Central Park! Aber jetzt geht es erstmal auf einen kurzen Abstecher nach Miami Beach und in die Everglades! Ich wünsche euch einen schönen „Indian Summer“! Bis bald, Eure Anke |
Kalender
SucheCategoriesSyndicate This BlogVerwaltung des Blogs |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
